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Leiden des jungen Werther's / von J. von Goethe
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Leiden des jungen Werther's. 111

kommen, der mich ſah in meiner Schönheit; ringsum wird ſein Auge im Felde mich ſuchen, und wird mich nicht fin⸗ den.*

Die ganze Gewalt dieſer Worte fiel über den Unglück⸗ lichen. Er warf ſich vor Lotten nieder in der vollſten Ver⸗ zweiflung, faßte ihre Hände, drückte ſie in ſeine Augen, wider ſeine Stirn, und ihr ſchien eine Ahnung ſeines ſchreck⸗

lichen Vorhabens durch die Seele zu fliegen. Ihre Sinne

verwirrten ſich; ſie drückte ſeine Hände, drückte ſie wider ihre

1 4 Bruſt, neigte ſich mit einer wehmüthigen Bewegung zu ihm,

und ihre glühenden Wangen berührten ſich. Die Welt ver⸗

ging ihnen. Er ſchlang ſeine Arme um ſie her, preßte ſie an ſeine Bruſt, und deckte ihre zitternden, ſtammelnden Lip⸗ pen mit wüthenden Küſſen. Wertherl rief ſie, mit erſtickter Stimme, ſich abwendend, Werther! und drückte mit ſchwa⸗

cher Hand ſeine Bruſt von der ihrigen; Werther! rief ſie

mit dem gefaßten Tone des edelſten Gefühles. Er wider⸗

ſtand nicht, ließ ſie aus ſeinen Armen, und warf ſich un⸗

ſinnig vor ſie hin. Sie riß ſich auf, und in ängſtlicher Verwirrung, bebend zwiſchen Liebe und Zorn, ſagte ſie:

Das iſt das letztemal, Werther! Sie ſehen mich nicht wie⸗

der. Und mit dem vollſten Blicke der Liebe auf den Elen⸗ den eilte ſie in's Nebenzimmer und ſchloß hinter ſich zu.

Werrther ſtreckte ihr die Arme nach, getraute ſich nicht ſie

zu halten. Er lag an der Erde, den Kopf auf dem Ca⸗ napee, und in die ieb er über eine halbe Stunde, bis i ſich ſelbſt rief. Es war decken wollte. Er ging im ſich wieder allein ſah, ging d rief mit leiſer Stimme: Ein Wort! ein Lebewohl! Sie bat und harrte; dann riß er ſich auf ewig lebe wohl! Wächter, die ihn ſchon gend hinaus. Es ſtiebte und erſt gegen eilfe klopfte er te, als Werther nach Hauſe Hut fehlte. Er getraute ſich