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Leiden des jungen Werther's / von J. von Goethe
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66 Leiden des jungen Werther's.

3 Am 16. März. Es hetzt mich alles. Heute treffe ich Fräulein B. in der Allee; ich konnte mich nicht enthalten ſie anzureden, und

ihr, ſobald wir etwas entfernt von der Geſellſchaft waren,

meine Empfindlichkeit über ihr neuliches Betragen zu zeigen. O Werther! ſagte ſie, mit einem innigen Tone, konnten ſie meine Verwirrung ſo auslegen, da Sie mein Herz ken⸗ nen? Was ich gelitten habe um Ihretwillen, von dem Au⸗ 1 genblicke an, da ich in den Saal trat! Ich ſah alles vor⸗

aus; hundertmal ſaß mir's auf der Zunge, es Ihnen zu ſa⸗ gen. Ich wußte, daß die von S. und T. mit ihren Min⸗ nern eher aufbrechen würden, als in Ihrer Geſellſchaft zu

bleiben; ich wußte, daß der Graf es mit ihnen nicht ver⸗ derben darf— und jetzo der Lärm!— Wie, Fräulein? ſagte ichr und verbarg meinen Schrecken; denn alles, was Ade⸗ 3 lin mir ehegeſtern geſagt hatte, lief mir wie ſiedend Waſſer

durch die Adern in dieſem Augenblicke.— Was hat mich es ſchon gekoſtet! ſagte das ſüße Geſchöpf, indem ihr die Thrä⸗

nen in den Augen ſtanden.— Ich war nicht Herr mehr von

mir ſelbſt, war im Begriffe, mich ihr zu Füßen zu werfen. Erklären Sie ſich! rief ich. Die Thränen liefen ihr die Wan⸗ gen herunter. Ich war außer mir. Sie trocknete ſie ab, ohne ſie verbergen zu wollen. Meine Tante kennen Sie, fing ſie an; ſie war gegenwärtig, und hat, ol mit was für Augen hat ſie das angeſehen! Werther, ich habe geſtern Nacht ausgeſtanden, und heute früh eine Predigt über mei⸗ nen Umgang mit Ihnen, und ich habe müſſen zuhören Sie herabſetzen, erniedrigen und konnte und durfte Sie nur halb vertheidigen. 3 Jedes Wort, das ſie ſprach, ging mir wie ein Schwert durch's Herz. Sie fühlte nicht, welche Barmherzigkeit es ge⸗ weſen wäre, mir das alles zu verſchweigen; und nun fügte ſie noch dazu, was weiter würde geträtſcht werden, was eine Art Menſchen darüber triumphiren würde, wie man ſich nunmehr über die Strafe meines Uebermuths und meiner Geringſchätzung anderer, die ſie mir ſchon lange vorwerfen, kitzeln und freuen würde. Das alles, Wilhelm, von ihr zu hören, mit der Stimme der wahreſten Theilnehmung — ich war zerſtört, und bin noch wüthend in mir. Ich