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Leiden des jungen Werther's / von J. von Goethe
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Leiden des jungen Werther's.

Stadtpfarrer thun, ſagte er; die Bauern haben keinen bö⸗

ſen Humor; doch könnte es auch zuweilen nicht ſchaden, es

wäre eine Lection für ſeine Frau wenigſtens, und für den

Herrn Amtmann. Die Geſellſchaft lachte, und er herzlich

mit, bis er in einen Huſten verfiel, der unſern Discurs eine Zeit lang unterbrach; darauf denn der junge Menſch wieder das Wort nahm. Sie nannten den böſen Humor ein Laſter; mich däucht, das iſt übertrieben. Mit nichten, aab ich zur Antwort, wenn das, womit man ſich ſelbſt und Fnen Nächſten ſchadet, dieſen Namen verdient. Iſt es nicht genug, daß wir einander nicht glücklich machen kön⸗ nen? müſſen wir auch noch einander das Vergnügen rau⸗ ben, das jedes Herz ſich noch manchmal ſelbſt gewähren

kann? Und nennen Sie mir den Menſchen, der übler Laune

iſt, und ſo brav dabei, ſie zu verbergen, ſie allein zu tra⸗ gen, ohne die Freude um ſich her zu zerſtören! Oder iſt ſie nicht vielmehr ein innerer Unmuth über unſere eigene Un⸗ würdigkeit, ein Mißfallen an uns ſelbſt, das immer mit einem Neide verknüpft iſt, der durch eine thörichte Eitelkeit aufgehetzt wird? Wir ſehen glückliche Menſchen, die wir 5 nicht glücklich machen, und das iſt unerträglich. Lotte llächelte mich an, da ſie die Bewegung ſah, mit der ich re⸗ dete, und eine Thräne in Friederikens Auge ſpornte mich felehe Wehe denen, ſagte ich, die ſich der Gewalt

bedienen, die ſie über ein Herz haben, um ihm die einfa⸗

chen Freuden zu rauben, die aus ihm ſelbſt hervorkeimen! Alle Geſchenke, alle Gefälligkeiten der Welt erſetzen nicht

einen Augenblick Vergnügen an ſich ſelbſt, den uns eine nei⸗ diſche Unbehaglichkeit unſeres Tyrannen vergällt hat.

Mein ganzes Herz war voll in dieſem Augenblicke; die Erinnerung ſo manches Vergangenen drängte ſich an meine

Seele, und die Thränen kamen mir in die Augen.

Wer ſich das nur täglich ſagte, rief ich aus: Du ver⸗

magſt nichts auf deine Freunde, als ihnen ihre Freuden zu laſſen und ihr Glück zu vermehren, indem du es mit ihnen

genießeſt. Vermagſt du, wenn ihre innere Seele von einer

ingſtigenden Leidenſchaft gequält, vom Kummer zerrüttet

iſt, ihnen einen Tropfen Linderung zu geben? Und wenn die letzte, bangſte Krankheit dann über das Geſchöpf her