26
Darf eine ſolche Menſchenſtimme hier,
Wo Geiſterfüͤlle mich umgab, ertönen?
Doch ach! fuͤr dießmal dank' ich dir,
Dem äarmlichſten von allen Erdenſöhnen.
Du riſſeſt mich von der Verzweiflung los, Die mir die Sinne ſchon zerſtören wollte. Ach! die Erſcheinung war ſo rieſen⸗groß,
Daß ich mich recht als Zwerg empfinden ſollte.
Ich, Ebenbild der Gottheit, das ſich ſchon
Ganz nah gedünkt dem Spiegel ew'ger Wahrheit, Sein ſelbſt genoß in Himmelsglanz und Klarheit, und abgeſtreift den Erdenſohn;
Ich, mehr als Cherub, deſſen freie Kraft
Schon durch die Adern der Natur zu fließen
uUnd ſchaffend, Götterleben zu genießen
Sich ahnungsvoll vermaß, wie muß ich's büßen! Ein Donnerwort hat mich hinweggerafft.
Nicht darf ich dir zu gleichen mich vermeſſen. Hab' ich die Kraft dich anzuziehn beſeſſen, So hatt' ich dich zu halten keine Kraft.
In jenem ſel'gen Augenblicke
Ich fuͤhlte mich ſo klein, ſo groß;
Du ſtießeſt grauſam mich zurücke,
Ins ungewiſſe Menſchenloos.
Wer lehret mich? was ſoll ich meiben?
Soll ich gehorchen jenem Drang?
Ach! unſre Thaten ſelbſt, ſo gut als unſre Leiden, Sie hemmen unſres Lebens Gang.
Dem Herrlichſten, was auch der Geiſt empfangen, Drangt immer fremd und fremder Stoff ſich an; Wenn wir zum Guten dieſer Welt gelangen, Dann heißt das Beſſ're Trug und Wahn.


