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Sie keiner mit leichtſinniger Galanterie, mit frevelhafter Betheurung, mit herzlockenden Schwuͤren ihre Gunſt ab⸗ zuſchmeicheln geſucht?
Das kann ich, verſetzte Wilhelm, und zwar ohne Ruhmredigkeit: denn mein Leben war ſehr einfach, und ich bin ſelber in die Verſuchung gerathen, zu verſuchen. Und welche Warnung, meine ſchoͤne, meine edle Freun⸗ din, iſt mir der traurige Zuſtand, in den ich Sie ver⸗ ſetzt ſehe! Nehmen Sie ein Geluͤbde von mir, das mei⸗ nem Herzen ganz angemeſſen iſt, das durch die Ruͤh⸗ rung, die Sie mir einfloͤßten, ſich bey mir zur Spra⸗ che und Form beſtimmt, und durch dieſen Augenblick geheiligt wird: jeder flüchtigen Neigung will ich wider⸗ ſtehen, und ſelbſt die ernſtlichſten in meinem Buſen be⸗ wahren; kein weibliches Geſchoͤpf ſoll ein Bekenntniß der Liebe von meinen Lippen vernehmen, dem ich nicht mein ganzes Leben widmen kann.
Sie ſah ihn mit einer wilden Gleichguͤltigkeit an, und entfernte ſich, als er ihr die Hand reichte, um ei⸗ nige Schritte. Es iſt nichts daran gelegen! rief ſie: ſo viel Weiberthraͤnen mehr oder weniger, die See wird darum doch nicht wachſen. Doch, fuhr ſie fort, unter
Tauſenden Eine gerettet, das iſt doch etwas, unter
Tauſenden Einen Redlichen gefunden, das iſt anzuneh⸗ men! Wiſſen Sie auch, was Sie verſprechen?
Ich weiß es, verſetzte Wilhelm lächelnd, und hielt ſeine Hand hin.
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