Teil eines Werkes 
3. Bd. (1816) Werke
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eie.

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ich ihn nicht lieben ſollte. Ich weiß auch, daß er es nicht werth iſt; ich wende mein Gemuͤth ab, dahin und dorthin, beſchaͤftige mich, wie es nur gehen will. Bald nehm' ich eine Rolle vor, wenn ich ſie auch nicht zu ſpielen habe; ich uͤbe die alten, die ich durch und durch kenne, fleißiger und fleißiger, ins Einzelne, und uͤbe und uͤbe Mein Freund, mein Vertrauter, welche ent⸗ ſetzliche Arbeit iſt es, ſich mit Gewalt von ſich ſelbſt zu entfernen! Mein Verſtand leidet, mein Gehirn iſt ſo angeſpannt; um mich vom Wahnſinne zu retten, uͤber⸗

laſſ' ich mich wieder dem Gefuͤhle, daß ich ihn liebe.

Ja, ich liebe ihn, ich liebe ihn! rief ſie unter tauſend Thraͤnen, ich liebe ihn, und ſo will ich ſterben.

Er faſſte ſie bey der Hand, und bat ſie auf das Inſtaͤndigſte, ſich nicht ſelbſt aufzureiben. O, ſagte er, wie ſonderbar iſt es, daß dem Menſchen nicht allein ſo

1 manches Unmoͤgliche, ſondern auch ſo manches Moͤgliche

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verſagt iſt. Sie waren nicht beſtimmt, ein treues Herz zu finden, das Ihre ganze Gluͤckſeligkeit wuͤrde gemacht haben. Ich war dazu beſtimmt, das ganze Heil meines Lebens an eine Ungluͤckliche feſtzuknuͤpfen, die ich durch die Schwere meiner Treue wie ein Rohr zu Boden zog,

ja vielleicht gar zerbrach.

Er hatte Aurelien ſeine Geſchichte mit Marianen

vertraut, und konnte ſich alſo jetzt darauf beziehen. Sie ſah ihm ſtarr in die Augen, und fragte: Koöͤnnen Sie ſagen, daß Sie noch niemals ein Weib betrogen, daß