Teil eines Werkes 
3. Bd. (1816) Werke
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Sie verſank in ſich, und nach einer kurzen Pauſe rief ſie heftig aus: Ihr ſeyd gewohnt, daß ſich euch Alles an den Hals wirft. Nein, ihr koͤnnt es nicht fuͤhlen, kein Mann iſt im Stande, den Werth eines Weibes zu fuͤh⸗ len, das ſich zu ehren weiß! Bey allen heiligen Engeln, bey allen Bildern der Seligkeit, die ſich ein reines gut⸗ muͤthiges Herz erſchafft, es iſt nichts Himmliſchers, als ein weibliches Weſen, das ſich dem geliebten Manne hingibt!

Wir ſind kalt, ſtolz, hoch, klar, klug, wenn wir verdienen, Weiber zu heißen, und alle dieſe Vorzuͤge legen wir euch zu Fuͤßen, ſobald wir lieben, ſobald wir hoffen, Gegenliebe zu erwerben. O wie hab' ich mein ganzes Daſeyn ſo mit Wiſſen und Willen weggeworfen! Aber nun will ich auch verzweifeln, abſichtlich verzweifeln. Es ſoll kein Blutstropfen in mir ſeyn, der nicht geſtraft wird, keine Faſer, die ich nicht peinigen will. Laͤcheln Sie nur, lachen Sie nur uͤber den theatraliſchen Auf⸗ wand von Leidenſchaft.

Fern war von unſerm Freunde jede Anmwandlung des Lachens. Der entſetzliche, halb natuͤrliche, halb erzwun⸗

gene Zuſtand ſeiner Freundin peinigte ihn nur zu ſehr.

Er empfand die Foltern der ungluͤcklichen Anſpannung mit; ſein Gehirn zerruͤttete ſich, und ſein Blut war in einer fieberhaften Bewegung.

Sie war aufgeſtanden, und ging in der Stube hin und wieder. Ich ſage mir Alles vor, rief ſie aus, warum