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es wieder von vorn an. Morgen Abend ſoll geſpielt werden. So ſchlepp' ich mich hin und her, es iſt mir langweilig aufzuſtehen, und verdrießlich zu Bette zu ge⸗ hen. Alles macht einen ewigen Zirkel in mir. Dann treten die leidigen Troͤſtungen vor mir auf; dann werf' ich ſie weg, und verwuͤnſche ſie. Ich will mich nicht ergeben, nicht der Nothwendigkeit ergeben— warum ſoll das nothwendig ſeyn, was mich zu Grunde richtet? Koͤnnte es nicht auch anderz ſeyn? Ich muß es eben be⸗ zahlen, daß ich eine Deutſche bin; es iſt der Charakter der Deutſchen, daß ſie uͤber Allem ſchwer werden, daß Alles uͤber ihnen ſchwer wird.
O+, meine Freundin, fiel Wilhelm ein, koͤnnten Sie doch aufhoͤren, ſelbſt den Dolch zu ſchaͤrfen, mit dem Sie mich unablaͤſſig verwunden! Bleibt Ihnen denn nichts? Iſt denn Ihre Jugend, Ihre Geſtalt, Ihre
Geſundheit, ſind Ihre Talente nichts? Wenn Sie ein Gut ohne Ihr Verſchulden verloren haben, müſſen Sie denn alles Uebrige hinterdrein werfen? Iſt das auch nothwendig?
Sie ſchwieg einige Augenblicke, dann fuhr ſie auf: Ich weiß es wohl, daß es Zeitverderb iſt, nichts als
Zeitverderb iſt die Liebe! Was haͤtte ich nicht thun koͤn⸗
nen! thun ſollen! Nun iſt alles rein zu nichts geworden. Ich bin ein armes verliebtes Geſchöpf, nichts als ver⸗ liebt! Haben Sie Mitleiden mit mir, bey Gott, ich bin ein armes Geſchoͤpf!


