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Meinung genug hatte, ausſchlug; ſo ſchickte man ihn mit Empfehlungsſchreiben einander zu und ſo wanderte er eine ganze Zeit von einem Edelhofe zum andern, wo
4 er manches Vergnuͤgen erregte, manches genoß, und
. nicht ohne die angenehmſten und artigſten Abenteuer
blieb. 1 6 Bey der innerlichen Kaͤlte ſeines Gemuͤthes liebte er eigentlich Niemand; bey der Klarheit ſeines Blicks konnte er Niemand achten, denn er ſah nur immer die aͤußern Eigenheiten der Menſchen, und trug ſie in ſeine mimiſche Sammlung ein, Dabey aber war ſeine Selbſtigkeit aͤu⸗ ßerſt beleidigt, wenn er nicht Jedem gefiel, und wenn er nicht uͤberall Beyfall erregte. Wie dieſer zu erlangen ſey, darauf hatte er nach und nach ſo genau Acht gegeben, und hatte ſeinen Sinn ſo geſchaͤrft, daß er nicht allein bey ſeinen Darſtellungen, ſondern auch im gemeinen Leben nicht mehr anders als ſchmeicheln konnte. Und ſo arbei⸗ . tete ſeine Gemuͤthsart, ſein Talent und ſeine Lebensart
5 dergeſtalt wechſelsweiſe gegen einander, daß er ſich un⸗
V 5 vermerkt zu einem vollkommnen Schauſpieler ausgebildet
ſah. Ja, durch eine ſeltſam ſcheinende, aber ganz natuͤr⸗
liche Wirkung und Gegenwirkung ſtieg, durch Einſicht
8 und Uebung, ſeine Rezitation, Deklamation und ſein Ge⸗
berdenſpiel zu einer hohen Stufe von Wahrheit, Freyheit
und Offenheit, indem er im Leben und Umgang immer heimlicher, künſtlicher, ja beiſelt und uaſlich zu wer⸗ den ſchien.
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