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ken. Nur kurze Zeit hielt er ſich bey kleinen und gro⸗ ßen Geſellſchaften auf, und merkte, bey dieſer Gelegen⸗ heit, ſaͤmmtlichen Stuͤcken und Schauſpielern ihre Eigen⸗ heiten ab. Die Monotonie, die damals auf dem deut⸗ ſchen Theater herrſchte, den albernen Fall und Klang der Alexandriner, den geſchraubtplatten Dialog, die Tro⸗ ckenheit und Gemeinheit der unmittelbaren Sittenpredi⸗ ger hotte er bald gefaſſt, und zugleich bemerkt, wesrührte
und gefiel. Nicht Eine Rolle der gungbaren Stuͤcke, ſondern die ganzen Stucke blieben leicht in ſeinem Gedaͤchtniß, und zugleich der eigenthuͤmliche Ton des Schauſpielers, der ſie mit Beyfall vorgetragen hatte. Nun kam er zufaͤlligerweiſe auf ſeinen Streifereien, da ihm das Geld voͤllig ausgegangen war, zu dem Einfall, allein ganze Stuͤcke beſonders auf Edelhoͤfen und in Doͤrfern vor⸗ zuſtellen, und ſich dadurch uͤberall ſogleich Unterhalt und Nachtquartier zu verſchaffen. In jeder Schenke, jedem Zimmer und Garten war ſein Theater gleich aufgeſchla⸗ gen; mit einem ſchelmiſchen Ernſt und anſcheinenden En⸗ thuſiasmus wuſſte er die Einbildungskraft ſeiner Zu⸗ ſchauer zu gewinnen, ihre Sinne zu taͤuſchen, und vor
ihren offenen Augen einen alten Schrank zu einer Burg,
und einen Faͤcher zum Dolche umzuſchaffen. Seine Ju⸗ gendwaͤrme erſetzte den Mangel eines tiefen Gefuͤhls; ſeine Heftigkeit ſchien Staͤrke, und ſeine Schmeicheley Zaͤrtlichkeit. Diejenigen, die das Theater ſchon kunn⸗
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