Teil eines Werkes 
3. Bd. (1816) Werke
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ſich die groͤßte Freyheit, und wetteiferte mit der Be⸗ muͤhung der Geiſtlichen, das Volk zu unterhalten und anzuziehen. Die feyerlichen und allegoriſchen Aufzuͤge von Tugenden und Laſtern, Künſten und Wiſſenſchaften, Welttheilen und Jahrszeiten verſinnlichten dem Volke eine Menge Begriffe, und gaben ihm Ideen entfernter Gegenſtaͤnde, und ſo waren dieſe Scherze nicht ohne Nu⸗ tzen, da von einer andern Seite die geiſtlichen Mum⸗ mereyen nur einen abgeſchmackten Aberglauben noch mehr befeſtigten.

Der junge Serlo war auch hier wieder ganz in ſeinem Elemente; eigentliche Erfindungskraft hatte er nicht, da⸗ gegen aber das groͤßte Geſchick, was er vor ſich fand zu nutzen, zurecht zu ſtellen, und ſcheinbar zu machen. Seine Einfälle, ſeine Nachahmungsgabe, ja ſein beißender Witz, den er wenigſtens einen Tag in der Woche voͤl⸗ lig frey, ſelbſt gegen ſeinen Wohlthaͤter, uͤben durfte, machte ihn der ganzen Geſellſchaft werth, ja unent⸗ behrlich.

Doch trieb ihn ſeine Unruhe bald aus dieſer vor⸗ theilhaften Lage in andere Gegenden ſeines Vaterlan⸗ des, wo er wieder eine neue Schule durchzugehen hat⸗ te. Er kam in den gebildeten aber auch bildloſen Theil von Deutſchland, wo es zur Verehrung des Guten und Schoͤnen zwar nicht an Wahrheit, aber oft an Geiſt gebricht; er konnte mit ſeinen Masken nichts mehr aus⸗ richten; er muſſte ſuchen auf Herz und Gemuͤth zu wir⸗