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ging, in aller Stille davon, und ward in einer benac
barten Stadt von einer Geſellſchaft, die man damals Kinder der Frende nannte, mit offnen Armen aufge⸗ nommen. Es waren verſtaͤndige, geiſtreiche, lebhafte Menſchen, die wohl einſahen, daß die Summe unſrer Exiſtenz, durch Vernunft dividirt, niemals rein aufgehe,
ſondern daß immer ein wunderlicher Bruch übrig blei⸗
be. Dieſen hinderlichen, und, wenn er ſich in die ganze Maſſe vertheilt, gefaͤhrlichen Bruch ſuchten ſie zu beſtimmten Zeiten vorſetzlich los zu werden. Sie waren einen Tag der Woche recht ausführlich Narren, und
ſtraften an demſelben wechſelſeitig durch allegoriſche Vor⸗
ſtellungen, was ſie waͤhrend der uͤbrigen Tage an ſich und Andern Naͤrriſches bemerkt hatten. War dieſe Art gleich roher als eine Folge von Ausbildung, in welcher der ſittliche Menſch ſich taͤglich zu bemerken, zu war⸗ nen und zu ſtraſen pflegt; ſo war ſie doch luſtiger und ſicherer: denn indem man einen gewiſſen Schoßnar⸗ ren nicht verleugnete, ſo tractirte man ihn auch nur fuͤr das, was er war, anſtatt daß er auf dem andern Wege, durch Huͤlfe des Selbſtbetrugs, oft im Hauſe zur Herrſchaft gelangt, und die Vernunft zur heimlichen Knechtſchaft zwingt, die ſich einbildet, ihn lange ver⸗ jagt zu haben. Die Narrenmaske ging in der Geſell⸗ ſchaft herum, und Jedem war erlaubt, ſie an ſeinem Tage, mit eigenen oder fremden Attributen, charakte⸗ riſtiſch auszuzieren. In der Karnavalszeit nahm man
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