4² taugen; aber Ihr ſollt es ſehen, um der Furcht, des Abſcheues, der Liebe und der Leidenſchaft willen, die darin herrſchen. Wie aͤngſtlich hatte ich die alte Haus⸗ mutter geſchildert mit dem Rocken im Gürtel, mit Schluſſeln an der Seite, Brillen auf der Naſe, immer fleißig, immer in Unruhe, zaͤnkiſch und haushaͤlteriſch, kleinlich und beſchwerlich! Wie kummerlich beſchrieb ich den Zuſtand deſſen, der ſich unter ihre Ruthe buͤcken und
ſein knechtiſches Tagewerk im Schweiße des Angeſichtes
verdienen ſollte!
Wie anders trat jene dagegen auf! Welche Erſchei⸗ nung ward ſie dem bekummerten Herzen! Herrlich ge⸗ bildet, in ihrem Weſen und Betragen als eine Tochter der Freyheit anzuſehen. Das Gefuͤhl ihrer ſelbſt gab ihr Wurde ohne Stolz; ihre Kleider ziemten ihr, ſie um⸗ huͤllten jedes Glied, ohne es zu zwaͤngen, und die reich⸗ lichen Falten des Stoffes wiederholten, wie ein tauſend⸗ faches Echo, die reizenden Bewegungen der Goͤttlichen. Welch ein Contraſt! und auf welche Seite ſich mein Herz wandte, kannſt du leicht denken. Auch war nichts ver⸗ geſſen, um meine Muſe kenntlich zu machen. Kronen und Dolche, Ketten und Masken, wie ſie mir meine Vorgaͤnger überliefert hatten, waren ihr auch hier zuge⸗ theilt. Der Wettſtreit war heftig, die Reden beyder Perſonen kontraſtirten gehoͤrig, da man im vierzehnten
Jahre gewoͤhnlich das Schwarze und Weiſſe recht nah an
einander zu mahlen pflegt. Die Alte redete, wie es ei⸗


