3 39 Zu gleicher Zeit las ich, theils aus eignem Antrieb, theils auf Veranlaſſung meiner guten Freunde, welche in den Geſchmack gekommen waren, Schauſpiele aufzufuͤhren, einen ganzen Wuſt theatraliſcher Productionen durch, wie ſie der Zufall mir in die Haͤnde fuͤhrte. Ich war in den gluͤcklichen Jahren, wo uns noch alles gefaͤllt, wo wir
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in der Menge und Abwechslung unſre Befriedigung fin⸗ den. Leider aber ward mein Urtheil noch auf eine andere Weiſe heſtochen. Die Stuͤcke gefielen mir beſonders, in denen ich zu gefallen hoffte, und es waren wenige, die ich nicht in dieſer angenehmen Taͤuſchung durchlas; und meine lebhafte Vorſtellungskraft, da ich mich in alle Rol⸗ len denken konnte, verfuͤhrte mich zu glauben, daß ich auch alle darſtellen wuͤrde: gewoͤhnlich waͤhlte ich daher bey der Austheilung diejenigen, welche ſich gar nicht fuͤr mich ſchickten, und wenn es nur einigermaßen angehn wollte, wohl gar ein paar Rollen.
Kinder wiſſen beym Spiele aus allem alles zu ma⸗ chen: ein Stab wird zur Flinte, ein Stuͤckchen Holz zum Degen, jedes Buͤndelchen zur Puppe, und jeder Winkel zur Huͤtte. In dieſem Sinne entwickelte ſich unſer Pri⸗ vattheater. Bey der völligen Unkenntniß unſrer Kraͤfte unternahmen wir alles, bemerkten kein qui pro quo, und waren uͤberzeugt, jeder muͤſſe uns dafuͤr nehmen, wofuͤr wir uns gaben. Leider ging alles einen ſo ge⸗ meinen Gang, daß mir nicht einmal eine merkwuͤrdige Albernheit zu erzaͤhlen uͤbrig bleibt. Erſt ſpielten wir


