Achtes Capitel.
Mariane, vom Schlaf uͤberwaͤltigt, lehnte ſich an ihren Geliebten, der ſie feſt an ſich druͤckte und in ſeiner Erzaͤhlung fortfuhr, indeß die Alte den Ueberreſt des Weins mit gutem Bedachte genoß.
Die Verlegenheit, ſagte er, in der ich mich mit mei⸗ nen Freunden befunden hatte, indem wir ein Stuͤck das nicht exiſtirte, zu ſpielen unternahmen, war bald vergeſſen. Meiner Leidenſchaft, jeden Roman den ich las, jede Ge⸗ ſchichte die man mich lehrte, in einem Schauſpiele dar⸗ zuſtellen, konnte ſelbſt der unbiegſamſte Stoff nicht wider⸗ ſtehen. Ich war völlig uͤberzeugt, daß alles, was in der Erzaͤhlung ergetzte, vorgeſtellt, eine viel groͤßere Wir⸗ kung thun muſſe; alles ſollte vor meinen Augen, alles auf der Buͤhne vorgehen. Wenn uns in der Schule die Weltgeſchichte vorgetragen wurde, zeichnete ich mir ſorg⸗ faͤltig aus, wo einer auf eine beſondere Weiſe erſtochen oder vergiftet wurde, und meine Einbildungskraft ſah uͤber Erpoſition und Verwicklung hinweg und eilte dem intereſſanten fuünften Akte zu. So fing ich auch wirklich an, einige Stuͤcke von hinten hervor zu ſchreiben, ohne daß ich auch nur bey einem einzigen bis zum Anfange gekommen waͤre.


