.„ 13* 6
Dichtung erhoͤht und erhalten wurden. Auch der Zu⸗ ſtand ſeiner Geliebten gab ihrem Betragen eine Stim⸗ mung, welche ſeinen Empfindungen ſehr zu Huͤlfe kam; die Furcht, ihr Geliebter moͤchte ihre uͤbrigen Verhaͤltniſſe
vor der Zeit entdecken, verbreitete über ſie einen liebens⸗ 8
würdigen Anſchein von Sorge und Scham, ihre Leiden⸗ ſchaft fuͤr ihn war lebhaft, ſelbſt ihre Unruhe ſchien ihre Zartlichkeit zu vermehren; ſie war das beliſaſte Ge⸗ ſchoͤpf in ſeinen Armen..
Als er aus dem erſten Taumel der Irende erwachte, und auf ſein Leben und ſeine Verhaͤltniſſe zuruͤckblickte, erſchien ihm alles neu, ſeine Pflichten heiliger, feine Lieb⸗ habereyen lebhafter, ſeine Kenntniſſe deutlicher, ſeine Ta⸗ lente kraͤftiger, ſeine Vorſaͤtze entſchiedener. Es ward ihm daher leicht, eine Einrichtung zu treffen, um den Vor⸗ wurfen ſeines Vaters zu entgehen, ſeine Mutter zu be⸗ ruhigen und Marianens Liebe ungeſtoͤrt zu genießen. Er verrichtete des Tags ſeine Geſchaͤfte puͤnktlich, entſagte gewoͤhnlich dem Schauſpiel, war Abends bey Tiſche un⸗ terhaltend, und ſchlich, wenn alles zu Bette war, in ſei⸗ nen Mantel gehüllt, ſachte zu dem Garten hinaus, und eilte, alle Lindors und Leanders im Buſen, unaufhalt⸗ ſam zu ſeiner Geliebten.
Was bringen Sie? fragte Mariane, als er eines
Abends ein Bündel hervorwies, das die Alte, in Hoff⸗ nung angenehmer Geſchenke, ſehr aufmerkſam betrachtete. Sie werden es nicht errathen, verſetzte Wilhelm.


