Teil eines Werkes 
5. Bd. (1876)
Entstehung
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Weihe trug alle Herzen über Zeit und Raum. Hell langen Frauen⸗ und Kinderſtimmen zwiſchen den kräf⸗

tigen Lauten der Krieger, harmoniſch wie die Empfin⸗

dung, die Alle vereinte.

Triefels war, auf den rechten Arm geſtützt, den Worten und Bewegungen des Predigers aufmerkſam gefolgt; nun, beim Beginn des Geſanges, wandte er den Blick in die Tiefe des Saals zurück. Ein unwill⸗ kürlicher, ihm entſchlüpfter Laut verhallte unter dem Brauſen des Chors. An dem ſeinem Bette faſt gegen⸗ überſtehenden Mitteltiſche, wo Stühle für die anweſen⸗ den Damen aufgeſtellt waren, hatte er Eugenie erblickt. Sie mußte eben erſt eingetreten ſein, denn ſie ſaß nicht, gleich den Andern, ſondern ſtand hinter einem der Sitze. Ihre Wangen waren durchſichtig bleich; die ſchweren Locken ſielen kaum geordnet auf das ſchwarze Gewand, welches ſie trug. Während Strophe auf Strophe des Geſanges dahinrauſchte, ſtürzten im⸗ mer neue Thränen auf die leichtgefalteten Hände nie⸗ der, die ſich an die Lehne des Seſſels ſtützten. Der ſchöne Kopf war tiefgeſenkt. 3

Und tief in ſich geſenkt waren auch Eugeniens Gedanken. Gleich einem Traum wogte Alles an ihr vorüber, ihr war nicht weihnachtsfreudig zu Muthe. Seit einigen Tagen ruhte ſchwere Kunde in ihrem Her⸗

:.. 4 Godin, Frauenliebe und Leben. V. 14