Straßen Münchens wogenden Volkes, als der Kurfürſt mit glänzendem Gefolge auf einem Umwege von ſeinem Reſidenzſchloſſe nach der Michaelskirche ritt. Tauſende von Menſchen füllten Gaſſen und Plätze und drängten ſich im Gotteshauſe dicht aneinander. Die Erwartung, den geliebten Herrſcher noch einmal vor ſeinem Aus⸗ zuge zu ſehen, ihn vielleicht ſprechen zu hören, hatte ſelbſt Krüppel und Greiſe aus ihrer Klauſe gelockt. Eine unzählbare Menge füllte den weiten Raum des großartigen Tempels, und mächtig brauſte der von Orgelton begleitete, tauſendſtimmige Choral zu der von keiner einzigen Säule getragenen hochgewölbten Kuppel auf.
Das Hochamt war beendet. Eben hatte der Biſchof den Segen geſprochen, der fromme Geſang ſchwieg, und unter einzelnen leiſe verhallenden Accorden der Orgel trat der Kurfürſt mit feſten Schritten vor den Hochaltar. Athemloſe Stille hielt Alles in Bann, jedes Auge haftete mit Stolz und Begeiſterung auf der Ge⸗ ſtalt des Landesfürſten, der von der Natur ſelbſt dazu geſchaffen ſchien einen hervorragenden Platz einzu⸗ nehmen.
Maximilian Emanuel war ein ſchöner Mann von gefälligem Wuchs und männlichen, aber feingemeißelten Zügen des ovalen Geſichtes; eine jener Erſcheinungen,


