Teil eines Werkes 
4. Bd. (1876)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

192

In dieſem Augenblicke rief dicht neben ihnen ein feines Stimmchen:Mama, küß' mich auch! Erbebend fuhr Martha auf und löſte ſich faſt gewaltſam aus Arnold's Armen; bis unter die dunkeln Locken erglüht ſtand ſie regungslos, nur die Hand, die ſie auf des Kindes blondes Köpfchen gelegt hatte, zitterte wie Espenlaub. Arnold vermochte es nicht über ſich, die ſtumme Pauſe durch ein erklärendes Wort zu unter⸗ brechen, er ſah ſie nur ſchweigend unverwandt an. Plötzlich aber machte der Ausdruck tiefer Schüchtern⸗ heit, der auf ihr lag, einem energiſchen Zuge Platz, der ihrem Antlitz ſelten, aber dann mit entſchiedenem Gepräge eigen war; ſie trat ihm wieder näher und ſagte erblaſſend, indem ſie ihre Hand auf ſeinen Arm legte:Sie ſollen nicht gering von mir denken Arnold, Sie dürfen es nicht! Daß der Augenblick der Ueber⸗ raſchung mich überwältigte, entwürdigt mich nicht kein Engel des Himmels dürfte ſich des Gefühls ſchä⸗ men, das in mir lebt. Aber dies iſt nun ſchon das zweite Mal! Gehen Sie, mein Freund, wir können, wir dürfen uns nicht wiederſehen, denn wir Beide könnten es nicht ertragen, vor einander erröthen zu müſſen. Muß ich auch Alles laſſen, Ihr Andenken und Ihre Achtung kann ich nicht entbehren!

Nein, mein geliebtes Mädchen! rief Arnold in