Teil eines Werkes 
4. Bd. (1876)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

190

Endlich war das Ziel erreicht, und die alte Reichsſtadt lag vor ihm. Da er durch den Briefwech⸗ ſel mit dem Freunde Straße und Wohnung des Ma⸗ lers angeben konnte, ſo bedurfte es nur eines Führers, der ihn aus dem Ring, wo er abgeſtiegen war, durch das Labyrinth verſchiedener alter Straßen nach dem Biſchofsviertel geleitete. Zu jeder andern Zeit würde die freundliche Lage des Häuschens, das man ihm als ſein Ziel bezeichnete, Arnold's Aufmerkſamkeit erregt haben; heute aber achtete er nicht der herbſtlich roth gefärbten Guirlanden wilden Weines, die das kleine Haus umrankten, und wenn auch ſein Blick über die Oder hin nach dem alten Univerſitätsgebäude, über die ſteinerne Brücke und die nahegelegenen impoſanten Kirchen ſchweifte, ſo prägte ſich darum dem wandern⸗ den Auge nichts von dem heitern Bilde ein. Ein Ringen nach äußerlicher Faſſung, eine Beklemmung die ihm etwas Unbekanntes, Gefürchtetes vorſpiegeln wollte, hielt ihn an der Schwelle des Glücks zurück. Wer hat nicht ſchon Aehnliches empfunden! Die Seele iſt den plötzlichſten Uebergängen zu Leid und Freud gewachſen, aber ſoll nun das Unverhoffte, das den Gipfel aller Wünſche erſteigt, in Wort und That ge⸗ faßt, als etwas Sichtbares vor uns hintreten, dann fühlt ſich das bange Herz von einer ſeltſamen Scheu