18
niſſe, die in Tagen wie die heutigen die beſten Kräfte des Geiſtes zur Thätigkeit wecken ſollten, mir mitunter wie Fremdes, nicht wie mein Eigenthum erſcheinen.“ —„Mich ängſtigen alle dieſe öffentlichen Ange⸗ legenheiten“, ſagte Frau von Déville nach einer kleinen Pauſe.„Ich habe mich früher nie um dergleichen bekümmert. So lebhaft mich in meiner erſten Jugend alle Studien, beſonders die Geſchichte, feſſelten, ſo hatte ich von Allem, was die jüngſte Vergangenheit betrifft, doch nur ganz oberflächliche und unſichere Be⸗ griffe. Als das, was man die Folge lang andauern⸗ der falſcher Zuſtände nennt, zum Ausbruch kam, war ich davon betroffen, wie von etwas Unglaublichem. Seitdem habe ich mich bemüht, den Zuſammenhang zu ergründen, und hatte mir in meinem Stillleben ein Gebäude der beſtehenden Verhältniſſe zuſammengeſetzt, das mir Alles genügend zu erklären ſchien. Seit den wenigen Tagen, die ich hier verlebt, ſind aber alle meine Ideen und Begriffe wieder auf's Neue verwirrt worden, ich kann aus dieſen widerſprechenden Mei⸗ nungen die meinige kaum wieder herausfinden, und weiß nicht mehr, was Wahrheit, was Irrthum iſt.“ „Halten Sie ſich an Ihren erſten Gedanken, Frau von Déville“, ſprach Robert mit achtungsvoller Innig⸗ keit, indem er aufſtand, um ſich zu verabſchieden.„Ein


