Teil eines Werkes 
4. Bd. (1876)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

dieſen entziehe, entgegnete Blanche mit halbem Lächeln. Lange ehe ich ahnen konnte Sie als Glied unſerer Familie zu begrüßen, habe ich oft, ſehr oft mit einer Perſon von Ihnen geſprochen, der Sie theuer waren, Sie errathen daß ich von Ihrer trefflichen Mutter ſpreche! Sie müſſen wiſſen, daß die theure Frau mich täglich zu ſich rief ehe ich Maximin verließ, und ihr liebſtes Thema war ihr Sohn. Die arme Mutter hatte ſich ſchon ſo früh von Ihnen trennen müſſen! Und für immer, ſagte Robert trübe.Ich habe ſie nicht wieder geſehen. Verzeihen Sie mir! ſprach Blanche herzlich, als ſie die Trauer ſeiner Züge wahrnahm.Wie leid thut es mir, Ihnen trübe Erinnerungen geweckt zu haben. Es iſt eine unglückliche Folge langer Einſam⸗ keit, daß man ſich daran gewöhnt, ſich allen Eindrücken ohne Zögern hinzugeben. Wenn man nur ſich ſelbſt gegenüber iſt, haben wehmüthige Gedanken einen ſo tiefen Reiz, daß man ſie lieb gewinnt und vergißt, daß ſie zu Schmerzen werden, ſobald man ſie in Worte faßt und ausſpricht. Ich habe ſeit langer Zeit Nie⸗ mand um mich gehabt als meinen Knaben, fuhr ſie fort, indem ſie über die blonden Locken eines zweijäh⸗ rigen Kindes ſtrich, das ſich an ſie drängte,und da⸗ bei übt man ſich nur in der Freimüthigkeit.