hat ſchon den beſten Theil ihres Weſens eingebüßt, als ſie erfahren mußte, wie wenig ſie Dem galt, dem ſie alles geboten hatte, was das Herz an Liebe kann und weiß!“
„Nicht das, Martha, nicht das laß mich hören!“ rief der junge Mann in leidenſchaftlicher Bewegung. „Ob es mir heute beſſer gelingen würde Dich zu überzeugen, daß ich damals that was ich mußte, um mir ſelber treu zu bleiben, weiß ich nicht— das ſind Regionen, in deren Verſtändniß das Weib dem Mann ſelten folgen will oder kann. Das aber muß ich Dir ausſprechen, daß der Preis, mit dem ich meine Selbſt⸗ achtung bezahlte, mir immer als der höchſte Preis der Welt galt, daß Dein Bild mich in die Fremde beglei⸗ tet hat, und bei Tag und Nacht um mich war, wie die Luft, die ich athmete— daß es mich heimgelockt hat, als die höchſte Lebenshoffnung, deren Scheitern zu tragen all meinen Mannesmuth von Neuem auf die Probe ſetzt! Es mag Dir ſeltſam, vielleicht unzart erſchienen ſein, daß ich Deine Nähe freiwillig wieder aufſuchte— ehe wir aber heut zum zweiten Male ſcheiden, ſollſt Du erfahren, warum ich kam. Im vo⸗ rigen Jahre, etwa zwei Monate vor dem Tode des Vaters, hatte ich an ihn geſchrieben— ihm, dem Gü— tigen, deſſen Groll gewiß gemildert war, mein ganzes


