Teil eines Werkes 
3. Bd. (1876)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

28

zuſammenzutreffen. Der Gräfin war gleiche Auffor⸗ derung zugegangen. Jetzt erſt erfuhr Prokinsky, daß ſich die Frau, welche ſeinen Namen trug, mit allen einem Weibe zu Gebot ſtehenden Mitteln am Aufſtande betheiligte. Sie weigerte ſich, dem Vertrauensmann, welchen er an ſie abgeſandt, ihre Tochter zu übergeben. Für den Augenblick war der Graf machtlos, ſeine Rechte als Gatte und Vater zu erzwingen.

Ein Jahr ſpäter zogen die Ruſſen nach zweitägiger Beſtürmung wieder in Warſchau ein. Der Reſt der polniſchen Armee zerſtreute ſich, die Führer flüchteten ins Ausland, ein furchtbares Strafgericht folgte. Es gelang dem Grafen, ſeine Frau zu ſprechen, ehe ſie mit vielen Andern nach Sibirien transportirt wurde. Die Unglückliche äußerte weder Reue noch Furcht vor dem Geſchick, das ſie erwartete. Ohne mit der Wimper zu zucken, kalt und ſtarr, empfing ſie ihren Gatten, in dem ſie nur den Vaterlandsverräther ſah; ohne zu er⸗ blaſſen, theilte ſie ihm den kürzlich erfolgten Tod ſeines jüngſten Kindes mit, und zog den Trauring vom Fin⸗ ger, als ihre letzte Gabe für Fedor. Nur eine Regung des Gefühls entſchlüpfte ihr: ein Wort der Freude darüber, daß ihre Mutter im Auslande ſei.

Die Fürſtin hatte ihre unglückliche Tochter nicht wiedergeſehen; ſie pflegte bereits ſeit Jahren den todt⸗