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ſtalten, oft genug ward der Menſch in tiefe Mitleiden⸗ ſchaft gezogen, wo der Arzt gerufen worden, und ver⸗ gangene Stunden erſcheinen mir zuweilen wie in einem Spiegel. Wenige aber haben ſich ſo tief in mein Ge⸗ dächtniß geprägt, als jene Nachtreiſe. Praſſelnder Regen ſchlug unaufhörlich gegen die Wagenfenſter; der losgelaſſene Novemberſturm durchſchnitt die Finſterniß wie mit articulirten Tönen; der Wagen erſchien wie ein Zufluchtsort, und was man in dieſer Weiſe phyſiſch empfand, ſchien auf meine Begleiterin auch ſeeliſch zu wirken. Nachdem wir geraume Zeit ſchweigend neben einander geſeſſen, äußerte ſie ein flüchtiges Wort von Geborgenſein. Zufrieden, das laſtende Schweigen von ihr mit ſo gelaſſenem Tone gebrochen zu ſehen, äußerte ich in leichter Weiſe gegen ſie, daß ſie mir eigentlich ſchon eine alte Bekanntſchaft ſei, und erwähnte jenes Concertes in R., wo ich ſie unter anderem Namen auf ihrem erſten Künſtlerflug gehört. Kaum geſprochen, be⸗ reute ich das Wort. Ich hörte ſie ſchwer athmen; ſie antwortete nicht, plötzlich aber, nach langer Pauſe, brach aus der gequälten Seele die Geſchichte ihrer Schmerzen hervor, wie die Fluth über einen gebroche⸗ nen Damm ſtürzt. Es war wie ein Schrei, der ſich nicht mehr unterdrücken läßt, der als Echo eine Men⸗ ſchenbruſt fordert, wenn das eigene Herz nicht daran 22


