Teil eines Werkes 
3. Bd. (1876)
Entstehung
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es konnte Einem die Seele entführen. Die ſpröde Knospe war erſchloſſen, ein Gluthſtrahl mußte auf ſie gefallen ſein. Ob er nur Leben geweckt, nicht auch Leben verſengt hatte? nachdenklich ſah ich mir das ſchöne Mädchen an; ihre Augen hatten einen eigen⸗ thümlichen Blick; ſie ſchauten gleichſam in ſich hinein, geheimnißvoll wie dämmerige Sternennacht.

Als ſie den Bogen abſetzte, lies ein ſchwerer, faſt ſtöhnender Seufzer dicht hinter mir mich unwillkürlich den Kopf wenden. An dem Pfeiler, gegen den ich mei⸗ nen Stuhl gerückt, ſtand ein junger Mann, der offen⸗ bar vergeſſen hatte, daß er ſich in einem dicht mit Menſchen gefüllten Saale befand, denn er machte gar keine Anſtrengung die heftige Aufregung zu verbergen, die ihn beherrſchte. Die Stirn gegen den Pfeiler ge⸗ ſtützt, die Lippen feſt auf einander gepreßt athmete er ſchwer, wie Einer, der eben Todesgefahr beſtanden hat. Er ſtarrte auf das, von der Künſtlerin verlaſſene Podium, ohne durch die Beobachtung geſtört zu werden, die ſeine Haltung erweckte, und in ſeinen dunkeln Augen flackerte ſo wildes Feuer, daß mein Intereſſe als Arzt rege wurde. Eine ſeltſame Combination ſchoß mir durch den Kopf. Hatte mich ſchon der Namenswechſel Valeska's frappirt, ſo witterte ich jetzt einen Zuſammenhang zwi⸗ ſchen ihr und meinem Nachbar; zwar ironiſirte ich mich