Teil eines Werkes 
3. Bd. (1876)
Entstehung
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der natürliche Lebensluft, und ſog ſie mit vollen Zügen ein.

Obgleich dazumal noch keine Eiſenbahn Cöln und Bonn verband, verſagte ich es mir nur ſelten, mich an den Cölner Concerten zu erlaben; namentlich ver⸗ ſäumte ich ein Gürzenich⸗Concert nur im Fall abſo⸗ luter Unmöglichkeit. Als ich eines Abends wieder zu einem ſolchen hinüberfuhr, ſtand auf dem Programm der Name eines Fräulein Lange, von deren Violinſpiel ich bereits Rühmliches gehört. Eine prachtvolle Geſtalt! Wenn es mir auch über Alles geht, etwas Schönes zu hören, ſo bin ich darum doch nicht blind, und gönne Augen und Ohren gern zugleich ein Feſt. Während ich die ſchöne Erſcheinung fixirte, dämmerte mir eine Er⸗ innerung auf, und ehe die Künſtlerin noch den erſten Bogenſtrich gethan, hatte ich Valeska Wola erkannt dieſe Art von Geſichtern vergißt man nicht! Und doch hatte ſie ſich verändert nicht nur die hageren Kin⸗ derformen zu impoſanter Schönheit entwickelt, die ſchar⸗ fen Züge gerundet, der fahle Teint der Haut zu durch⸗ ſichtig bräunlicher Färbung erwärmt vor Allem war der ſeeliſche Ausdruck ein ganz anderer geworden. Fort das trotzige, knabenhafte Gepräge von damals, nur ein energiſcher Zug um den Mund zurückgeblieben, ſonſt alles phantaſievoller Reiz. Und wie ſie ſpielte!