Die Gnädige hörte mit einer Empfindung zu, welche ſie kaum im Stande war, zu verbergen. Cent⸗ nerlaſten ſielen von ihrem Herzen.
„Briefe können verloren gehen“, ſagte ſie ſo ge⸗ laſſen, als ihr möglich war.„Um jene Zeit gab es im Kalden'ſchen Hauſe viel Verwirrung— möglich, daß Dein Schreiben gar nicht in die Hände des jungen Mädchens gelangt iſt.“
„Was ſagſt Du?“ rief er ſtürmiſch.„Weißt Du von Kalden's? Was iſt dort vorgefallen? Ich beſchwöre Dich, ſprich!“
Vielſtimmiger Vivat⸗ und Hurrahruf tönte in ſeine Worte hinein. In der hocherregten Stimmung der letzten Minuten hatten die Ankömmlinge Beide nicht bemerkt, daß ſich der Wagen bereits dem Schloſſe näherte. Schon raſſelte derſelbe dem Einfahrtsthore zu, vor welchem ſämmtliche Gutsleute und die ganze Dienerſchaft in ihren Sonntagskleidern harrten, ihren jungen Herrn zu begrüßen. Erich fuhr ſich mit der Hand über die glühende Stirn, rief dem Kutſcher, an⸗ zuhalten und ſprang raſch heraus, um den treuen, freudeglühenden Geſichtern ein herzliches Wort der Begrüßung zu bieten. Faſt zugleich ſchweifte ſein Blick nach den Fenſtern empor, wo er fand, was er er⸗ wartete, der geliebten Schweſter freudeſtrahlendes Ge⸗
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