278
nicht halten!“ rief Litta glühend.„Als wir uns trenn⸗ ten, war ſein letztes Wort ein Zweifel an meiner Liebe! Nun habe ich ſeit langen Monden in tauſend Aengſten um ihn gerungen und gebetet; Gottes Gnade, Ihre Güte geben mir zurück, was verloren war, und da er heimkehrt, ſoll ich mich vor ihm verſtecken? O gnädige Frau, wenn ich das könnte— dann behielt er Recht mit ſeinem Vorwurf, dann hätte ich ihn nie geliebt!“
„So?“— ſagte die Baronin und maß das wie eine Flamme lodernde Mädchen vom Kopf bis zu den Füßen.„Rebellion?— Auch gut!“— Ohne ein wei⸗ teres Wort drehte ſie ſich um, ließ Litta ſtehen und ſchritt nach dem Portale. Das junge Mädchen ſah ihr tief betroffen nach, that ein paar zögernde Schritte ihr zu folgen, hielt aber nach kurzem Bedenken an und kehrte in das Haus zurück, um in Paula's lieber Nähe ihr ſtürmiſch bewegtes Herz zur Ruhe zu ſtimmen.
Eine halbe Stunde ſpäter hörten beide Mädchen
das Rollen eines Wagens. Wie ein Pfeil ſtürzte Litta nach dem Fenſter, was ſie aber dort erblickte, war kein ankommender, ſondern ein abfahrender Wagen. Die gelbe Glaskutſche rollte auf der Chauſſee der Stadt zu und auf Befragen erfuhren die Freundinnen, daß die Gnädige nach der Station gefahren ſei.
Seit einſt die Mutter den erſtgeborenen Sohn in


