III.
Schon oft iſt das Leben der Menſchen einem Strome verglichen worden. Der Eine nimmt ſchwei⸗ gend Flüſſe und Bäche in ſich auf, bis er ſich unter all' dem Zufluß ſelbſt verliert. Der Andere durchflu⸗ thet ſein tiefes Bett ſo herrſchend, daß er Trabanten wohl neben ſich duldet, ſich aber nicht mit ihnen miſcht; engen ſteile Felswände ſeine Gewalten ein, ſo erzeugt er todtbringende Wirbel und Strudel, ſobald er ſich jedoch in neuer Freiheit zwiſchen fruchtbaren Ufern er⸗ gießen darf, wird er doppelt mächtig rauſchen, ſpiegeln und nähren.
Solche Befreiung war urplötzlich in das Daſein der Gnädigen getreten. Endlich galt es wieder ein⸗ mal zu handeln, ſtatt zu tragen! Das Leben war nicht ſanft mit ihr verfahren, und doch hatte ſie erſt wäh⸗ rend dieſer letzten Monate erkannt, daß es Dinge giebt, mit welchen der Wille allein nicht fertig wird. Wer energiſch iſt, klagt nicht; die ſtolze Frau hatte ſtets nur ſolche Lagen gekannt, die man entweder annimmt oder endet. Am Krankenbette verzagen, mit fruchtloſer Sehnſucht ringen, waren ungewohnte Zuſtände für dieſen kräftigen Geiſt. Widerſtrebende Gewalten kämpf⸗ ten in ihr um den Sieg. Seit ſie ſtündlich fürchten mußte, die Tochter vor ihren Augen erlöſchen, den


