Teil eines Werkes 
2. Bd. (1876)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

263

drang ein lichter, verſtändnißvoller Strahl hervor ein Freudenſtrahl! Er ſtreckte beide Arme nach ſeiner Frau aus, dann ſank er plötzlich zurück.

Ein ſchneidender Angſtſchrei drang in das Gemach hinüber, wo die Gnädige mit Litta weilte. In der nächſten Sekunde ſtürzte das junge Mädchen, von der Baronin gefolgt, über den Flur dem Schlafzimmer zu.

Dort lag im Lehnſtuhl zurückgeſunken ein ſtiller, für immer ſtiller Mann, und neben ihm auf der Erde ausgeſtreckt die regungsloſe Geſtalt ſeines Weibes, de⸗ ren Hand ſich feſt um ein zerknittertes Papier krampfte.

Was während der folgenden Stunden in und mit ihr vorging, wogte an Litta's Sinnen vorüber wie Nebelgebilde, dunkel und ſchwer. Sie wußte kaum, ob der Todte, der nun, allem Leid entrückt, auf ſeinem Lager ruhte, wirklich mit ihrem Beiſtand dorthin aus⸗ geſtreckt worden, ſie hörte das Weinen der erſchrockenen Kinder nur wie aus weiter Ferne, ſah die hohe Ge⸗ ſtalt, welche ſich anordnend und ſelbſtthätig im Hauſe umherbewegte, nur wie durch einen Schleier. Ihre thränenloſen Augen hingen unverwandt an den blaſſen geliebten Zügen der Mutter, welche ſchwach athmend, mit geſchloſſenen Lidern auf dem Sopha lag, während das arme Kind bald die eine, bald die andere der eiskalten Hände durch den Hauch ihrer Lippen zu erwärmen ſuchte⸗