Erlaubniß bleibe ich aber hier ſitzen, bis Sie zurück⸗ k en. Vielleicht kann ich Ihnen in dieſer wichtigen Sache nützlich ſein, wir ſprechen noch darüber.“
Clara hörte die Worte nur wie im Traum. Ihr Herz brannte danach, dem Gatten die große Botſchaft zu bringen, ſie flog mehr als ſie ging über den Flur nach dem Schlafzimmer. Erſt in dem Augenblick, als ſie die Thüre öffnete und ihr Blick auf Kalden fiel, erfaßte ſie plötzlich die todestraurige Frage:„Wird er es auch faſſen?“
Seit Wochen ſaß die welke, der einſtigen Fülle ganz beraubte Geſtalt vom Morgen bis zum Abend im tiefen Sorgenſtuhle, vor ſich hindämmernd, ohne Leid noch Freude, nur für Eines noch wach und empfäng⸗ lich: die Stimme ſeiner Frau. Auch jetzt hob er den Kopf, als dieſe Stimme ihm zurief:„Kalden!“ Der eindringliche Ton ſchien ihn aufzurütteln, er bewegte ſich und richtete ſeine Augen auf Clara.„Kalden, danke Gott!“ rief ſie, indem ſie ſeine Hand gegen ihr hochſchlagendes Herz preßte, ihre ganze Seele zitterte in dem Laut:„Deine Unſchuld iſt bewieſen! Deine Ehre iſt rein!“
Er hatte es gefaßt! Wie von einer Sprungfeder geſchnellt, ſtand der Mann mit einem Male aufrecht, ſeine Lippen bewegten ſich, unter den ſchweren Lidern


