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Sie hatte noch nicht ausgeſprochen, als die Gnä⸗ dige ſchon auf ihren Füßen ſtand.„Nach Belieben“, ſagte ſie ſchroff, und zog den zurückgeglittenen Shawl feſt um die Schultern.„Ich habe Sie nur“—
Der Satz blieb unvollendet, denn plötzlich flog die Thüre auf und ein junges Mädchen ſtürmte herein, wie von Flügeln getragen. Ihr ſchönes Geſicht war in lichte Gluth getaucht, aus den Augen ſtrömte ein faſt überirdiſches Leuchten, und während ihre Rechte ein Papier hoch in die Luft ſchwang, rief ſie mit vibri⸗ render Stimme:„Es kommt an den Tag! an den Tag!“
Kaum war das Wort verhallt, als Litta's Blick die Baronin erfaßte. Todtenbläſſe überzog ihr Geſicht, das Licht in ihren Augen erloſch. Sie blieb eine Se⸗ kunde wie verſteinert, um in der nächſten vorwärts zu ſtürzen. Die Gnädige fühlte ihre Rechte von zwei zitternden Händen umklammert, denen das Blatt, wel⸗ ches ſie ſo triumphirend gehalten, entſunken war, und ſtammelnde, brechende Laute drangen zu ihr auf:„Er iſt todt?!“
Die Gnädige blickte auf ſie nieder, als wollte ſie jeden Zug dieſes kämpfenden Geſichtchens in ſich auf⸗ nehmen. Sie begriff! Ihr Herz wurde von einem Hauch berührt, weich und lind wie Frühlingsluft. Während
ſie die kleinen Hände drückte, berührte ihre Linke einen Godin, Frauenliebe und Leben II. 17


