249
der Kranken das Kiſſen, bot ihr eine Erfriſchung und erzählte von der Freude der Gutsleute. Paula's Auge blickte friſcher als ſeit Monaten, ihre Stimme klang heller, ſie faltete die Hände in einander und lächelte: „Ein Freudentag!“
„Ein doppelter Freudentag, Paula, denn Du biſt beſſer, weit beſſer! Die gute Botſchaft hat Dir wohl⸗ gethan. Wüßte ich Dir doch auch Freude zu geben, morgen und alle Tage!“
Das junge Mädchen blickte ihre Mutter zärtlich an, plötzlich ſenkte ſie die dunklen Wimpern, und ein zartes Roth ſtieg ihr bis in die Schläfen.
„Du haſt einen Wunſch!“ ſagte die Gnädige, in⸗ dem ſie ihr über das Haar ſtrich.„Sprich ihn aus, heute könnte ich Keinem etwas abſchlagen, Dir am wenigſten.“
Paula ergriff ihre Händ, drückte die Lippen dar⸗ auf und athmete leiſe:„Ich wage es nicht.“
Die Hand der Gnädigen zuckte, ihre Lippen preß⸗ ten ſich einen Moment auf einander.„Du wünſcheſt — daß Erich's Wille geſchieht?“
Paula ſchüttelte den Kopf.„Du haſt ihm wieder ſelbſt geſchrieben, das machte mich ſo glücklich, glück⸗ licher faſt als ſein Brief. Alles Uebrige liegt in Got⸗ tes Hand. Aber—“ ſie zog das über ſie gebeugte


