Teil eines Werkes 
2. Bd. (1876)
Entstehung
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ſinn. Kennſt Du die Geſchichte meiner Jugend, die Du mir eben als Vorwurf zugeſchleudert, ſo wirſt Du auch wiſſen, daß die Vergeudung des eigenen Erbes durch Großvater und Vater den Deinigen allerdings dazu gebracht, unter ſchlichtem Namen als Gutsinſpec⸗ tor ſein Brod zu ſuchen. Unehre aber laſtete nicht auf ſeinem altadeligen Geſchlecht. Ja, ich habe dem Willen meiner Eltern getrotzt, die es meinem Gatten nie vergaben, daß er mein Herz gewann, während er in niederer Stellung unſerem Hauſe zugehörte, die ihm Trug und Hinterliſt vorwarfen, ihn vorbedachter Pläne zeihten, wovon ſein edler Sinn nie geträumt. Aber ich habe dieſen Trotz ſchwer gebüßt, denn bei all unſe⸗ rer Liebe ruhte kein Segen auf unſerem Herde. Ich mußte mit anſehen, wie Deines Vaters Kraft ſich an den armſeligen Nöthigungen des Unterhaltes ſeiner Familie erſchöpfte, und bereits gebrochen war, als mir, zu ſpät für ihn! Die Heimath endlich wieder aufge⸗ than wurde. Bei jedem Kinde, das Gott mir gab, bei jedem, das er mir nahm, fiel es centnerſchwer auf mein Gewiſſen, daß uns das Beſte fehlte: Der Segen von Vater und Mutter, der den Kindern die Häuſer baut. Und nun geh' hin und thu' deßgleichen! Sie barg das flammende Geſicht in beiden Händen und warf ſich wie gebrochen in einen Seſſel.