Teil eines Werkes 
2. Bd. (1876)
Entstehung
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blieb Paula's innerem Weſen ſo fremd, daß deren dringende Beredtſamkeit ſie heute mehr überraſchte, als hätte ein Stummer plötzlich Sprache gewonnen.

Jetzt, in der Einſamkeit, drangen die Worte, welche das meiſt ſo ſchweigſame Kind zu ihr geſprochen, die ſie widerſtrebend angehört, auf ſie ein, wie eine Fluth. Und gleich dem Echo, das von Berg zu Berg ſchlägt, hallte es unaufhörlich in ihr nach:Sollen wir ihn verlieren

Schwer athmend, faſt erſtickt von den Blutwellen, die ihr aus dem Herzen zum Kopfe ſtrömten, ſchritt die Gnädige ungeſtüm zum Fenſter und riß es auf. In demſelben Moment wand ſich ein unartikulirter Laut aus ihrer Bruſt.

Ein Reiter hielt auf ſchäumendem Roſſe im Hofe und das ernſte Geſicht ihres Sohnes blickte zu ihr hinauf.

III.

Minuten wurden zur Ewigkeit. Die Gnädige ſtand mitten im Zimmer, halb vorgebeugt, und lauſchte dem ihrem Ohre ſo vertrauten Schritt, der die Trep⸗ pen hinaufſtürmte. Als Erich die Thür öffnete und erregt auf ſie zueilte, breitete ſie beide Arme aus und ſchloß den Sohn mit leidenſchaftlicher Kraft an ſich.

Godin, Frauenliebe und Leben. II. 14