Teil eines Werkes 
2. Bd. (1876)
Entstehung
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keit, das in früheſter Kindheit ſchwer leidende, noch heute äußerſter Schonung bedürftige Geſchöpf nach ihrem Sinne zu erziehen, ließ ſie hierauf lieber ganz verzich⸗ ten, und doch mußte die Gnädige herrſchen dürfen, wo ſte lieben ſollte, ſonſt brach ſich der Strahl ihrer Stärke nur in mattem Licht. Mitleid iſt eine Himmelstochter, die gleich Allem, was vom Himmel ſtammt, der Flü⸗ gel bedarf; wird ſie zum Erdenkinde, deſſen Fuß im Alltagsleben Wurzeln ſchlägt, dann geſellen ſich ihr allzuleicht zwei irdiſche Schweſtern, deren freundlichere Nachſicht, deren zweite, leiſe nebenher wandelnde aber Geringſchätzung heißt.

Was ſich aus einem Menſchen äußerlich entwickelt, wiſſen ſeine Nächſten immer, ſein Gemüth jedoch ken⸗ nen ſie nicht. Die ſelbſtloſe Harmonie im Weſen Pau⸗

la's galt der energiſchen Frau, welcher Leben und

Thätigkeit Eins bedeutete, als Schwäche. Es war ihr unfaßbar, daß man, wie ſie ſich einſt ſpöttiſch äußerte, nur vom Gedruckten leben und ſich dabei zufrieden fühlen könnte. Sie ſchätzte der Tochter Individualität und Urtheil ſo wenig, daß ſie für den Verkehr mit der Erwachſenen keinen anderen Ausdruck fand, als für den mit dem Kinde. Statt des Spielzeugs gab ſie ihr jetzt Bücher, ſorgte aufmerkſam für den zarten, durch jeden rauhen Lufthauch bedrohten Körper, und