Teil eines Werkes 
2. Bd. (1876)
Entstehung
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kleinem Paſtellbilde, deſſen Goldrahmen ſie eben vom Staube befreit.

Es war ein Kinderporträt Erich's, das er ihr einſt aus ihren eigenen Räumen entführt hatte. Wie die Glückſeligkeit ſelbſt lachte ihr das kühne, ſchöne Knabengeſicht mit dem freien Blick entgegen. Ein bit⸗ teres Lächeln zuckte um den Mund der Mutter. Sie gedachte der Zeiten, wo der Sohn faſt abgöttiſch an ihr gehangen ſie gedachte der Gegenwart. Er, der ihr höchſtes Ziel und Streben geweſen, ſeit er zuerſt ſeine Augen dem Lichte geöffnet, er ſtand gegen ſie auf! Gewaltig gährte es in ihrem Innerſten, der Vor⸗ wurf verdrängte die Klage. Despotiſch in ihrer Zu⸗ neigung, gebieteriſch, wo ſie wünſchte, zürnend ſchon, wo ſie zweifelte, reizte ſie ſein Widerſtand nicht nur, er nahm ihr auch den Glauben an das, was ſie doch ihr eigen wußte, ſeine Liebe! Schon mancher Strauß war zwiſchen Mutter und Sohn ausgefochten worden; Beide beſaßen jenen nicht zu brechenden Eigenſinn der Individualität, bis heute hatte aber das faſt leiden⸗ ſchaftlich gefärbte Gefühl, welches ſie einander ver⸗ band, zuletzt immer die Löſung gefunden. Würde das auch jetzt geſchehen?

Sie ſchüttelte ſtarr das Haupt. Wie mit Seher⸗ augen drang ihr Blick in die Zukunft ſie kannte