Teil eines Werkes 
2. Bd. (1876)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

203

der Landſtraße führende Thor in den Hof ein; das Geſpann wußte genau, wo der Stall und daß Füt⸗ terungszeit ſei, und dies war gut; denn der Führer des Leiterwagens, ein ältlicher Mann, mit breitem, gutmüthigem Geſichte, ſchwankte ſchlaftrunken auf ſei⸗ nem Sitze hin und her, und ermunterte ſich erſt, als das Anhalten des Gefährtes ſeinem duſeligen Behagen zur Unterbrechung wurde. Die blinzelnden Augen öff⸗ neten ſich aber plötzlich ſperrweit und das dicke Ge⸗ ſicht nahm einen Ausdruck des Schreckens an, als er dicht vor ſeiner Naſe den erhobenen Schirm der Gnä⸗ digen ſah, die mit gerunzelter Stirne in ſeiner näch⸗ ſten Nähe ſtand und ihn anfuhr:„Na, wo iſt Er denn geblieben? Meinte ſchon, Er käme heut nicht mehr heim! Iſt wieder der ganze Nachmittag um die Ohren geſchlagen, und wie das zugegangen, davon wird die Schenke Auskunft geben können, Patron!“

Der Geſcholtene kletterte hurtig von ſeinem Sitz herunter, drehte die Peitſche ängſtlich zwiſchen den Fingern und ſtotterte:„Der Müller hat— der Mül⸗ ler war—“

„Geſchwätz!“ fuhr die Gnädige ärgerlich dazwi⸗ ſchen;„an Ausreden fehlt es nie. Sorg' Er jetzt, daß die Pferde ihre Ordnung bekommen.“

Mit einem tiefem Athemzug, als hätte ihr das