202
kennt, was er liebt! Ob Du ihn jemals haſt aus⸗ reden laſſen, Mama, weid ich nicht; darum laß mich wiederholen, was er mir geſagt, daß Du eine eben ſo gute Tochter gewinnen würdeſt, als er eine beglückende Frau.“
„Dich wenigſtens habe ich ausreden laſſen“, ſprach die Gnädige nachdrücklich, indem ſie ſtehen blieb.„Jetzt kannſt Du meine Antwort bekommen, und wenn Du Deinem Bruder ſchreibſt, ſie ihm zum Ueberfluß wie⸗ derholen.“ Sie hielt inne, ſtieß die Spitze ihres Schir⸗ mes, deſſen Krücke ſie mit geſchloſſener Hand feſter packte, kräftig zwiſchen den Kies des eben betretenen Gartenweges und ſagte mit lautem, zornigem Ton: „Nein! Ich leide es nicht. Punktum.“
Schon bei ihrer heftigen Geberde war Paula's Arm aus dem ihrigen geglitten, und das bebende Mädchen blickte ſtumm der Mutter nach, die ſich mit weiten Schritten von ihr entfernte, und bereits im Be⸗ griffe war, die Stufen zum Hauſe zu überſchreiten, als ein zufälliger Blick nach dem Hofraum ſie anderen Sinnes zu machen ſchien. Scharf hinüber ſpähend, blieb die Gnädige einen Moment auf der unterſten Staffel ſtehen, wandte ſich dann raſch und ging in energiſcher Haltung dem Gitterpförtchen zu. Ein mit Säcken beladener Wagen fuhr eben durch das nach


