getreten. In Tagen, wie wir ſie zuſammen trugen, beurtheilt man ſich raſcher, als zur Alltagszeit. Ich hoffe Ihnen nicht mehr fremd zu erſcheinen, rechne ſo⸗ gar darauf, denn was ich zu ſagen habe, ſetzt perſön⸗ liches Vertrauen voraus.“
„Dies gehört Ihnen“, verſicherte Sophie.
„Ein Wort alſo über Aeußerliches! Meine Frau hatte Dora den größten Theil ihres Privatvermögens zugedacht, und da wir jede Erwartung eigener Kinder aufgegeben, bereits teſtamentariſch zugeſichert. Als uns die ſpäte Hoffnung aufging, kam eine nun unvermeid⸗
liche Abänderung des Teſtamentes zur Sprache, das
nur dann zu Recht beſtehen konnte, wenn uns in einem
Sohn zugleich der Majoratserbe geſchenkt werden ſollte.
War uns dagegen eine Tochter beſchieden, ſo blieb dieſelbe einzig auf das Privatvermögen angewieſen Leider ſtritt Minna's große Liebe zu Dora ſo lange mit ihrem Rechtsgefühl, daß Monat um Monat ver⸗ ging, ohne ihr einen entſcheidenden Entſchluß abzuge⸗ winnen. Sie wiſſen, wie ſchnell die Kataſtrophe kam. Bei dem Anblick ihres Töchterchens ward meine Frau von lebhafter Unruhe ergriffen. Auf ihr Verlangen verbrannte ich das noch unberührt im Schreibpult liegende Teſtament vor ihren Augen. Eine andere Willensmeinung zu diktiren, reichte ſchon ihre Kraft


