20
litten, und war ihr je ein ähnliches Wort entſchlüpft, ſo ſuchte ſie es durch lebhaftes Betonen der guten Eigenſchaften ihres Gatten zu mildern; dennoch hatte Sophie ſich längſt ein eigenes Urtheil gebildet. Der Halt, welchen ſein zerfahrenes Weſen durch wirkliche Trauer empfand, ließ ſie dies Urtheil nun als voreilig betrachten; ſie gewann weit höhere Meinung von ſeinem Charakter.
Seit der Gräfin Beſtattung war etwa eine Woche vergangen. Sophie ſprach die Abſicht aus, am näch⸗ ſten Tage heimzukehren, und Dora mit ſich zu nehmen. Mattern blickte bei dieſer Aeußerung lebhaft auf. Er ſaß mit der Hausgenoſſin allein; Dora, die mit leiden⸗ ſchaftlichem Herzen trauerte, war gegangen, Blumen nach dem friſchen Hügel zu tragen.
„Morgen ſchon?“ ſagte der Graf bedauernd;„und doch darf ich nicht widerſprechen, liebe Freundin! Ihr Haus hat nähere Rechte an Sie, ich bin Ihnen viel Dank ſchuldig, daß Sie überhaupt gekommen. Aber laſſen Sie mir Dora!“
„Das geht nicht an“, erwiderte Sophie mit Be⸗ ſtimmtheit.—
„Hören Sie mich zu Ende“, bat Mattern.„Ich verſchob es abſichtlich, mit Ihnen über gewiſſe Ver⸗ hältniſſe zu ſprechen, bis wir einander etwas näher


