einlud und ihm eröffnete, daß er an eine Verbindung zwiſchen ſeiner einzigen Tochter und dem Stammhalter gedacht. Da letzterem die junge Couſine ſehr wohl gefiel, ſtimmte er dem Vorſchlage bereitwillig zu. Minna, zu dieſer Zeit kaum ſiebzehnjährig, zurückhal⸗ tend, höchſt anmuthig, erſchien ihm vielverſprechend. Mit der Exaltation, welche Graf Hugo allem Neuem entgegentrug, bildete er ſich für ſeine Braut ſogar eine
jener Kopfleidenſchaften an, die in ihrem Gegenſtande
zu erblicken glaubt, was ſie ſelbſt hineinphantaſirt. Da er auch nach vollzogener Verbindung bei dem
Regimente verblieb, und ſeine junge Frau ſtets den
Sommer bei ihren Eltern auf dem Lande zubrachte,
empfand er ſeine Ehe nie als drückende Feſſel. Er
ließ es nicht an Aufmerkſamkeiten für Minna fehlen; ſein Ehrgeiz, überall als Cavalier par excellence zu erſcheinen, bezeichnete auch den Ton, welchen er gegen die ihm wenig ſympathiſche Gattin feſthielt. Denn unſympathiſch war ihm bald Alles an ihr geworden: ihre Einfachheit, ihr Vertiefen in die Dinge, ihr leiſer aber feſter Widerſtand, ſo oft er ſie in die, ihm eigen⸗ thümlichen Ueberſtürzungen hineinzuziehen verſuchte. In der großen Welt wurde Graf Hugo ſehr ge⸗ ſchätzt; Alles, was er als Näſcherei betrieb, und wo⸗ von er im Geſpräch den glücklichſten Gebrauch zu 2
Godin, Frauenliebe und Leben II.


