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leicht eine gewiſſe Gefühlskränkelei anerzieht. Und dennoch war ſie von ſolchen Auswüchſen frei, war einfach, treu und liebreich geblieben, nie falſcher Sen⸗ timentalität verfallen und vom reinſten Willen geſtärkt. Ihre Ehe mit dem Grafen, von ihr nach Wunſch ihrer Eltern, ohne Widerſtreben, aber auch ohne Herzenszug eingegangen, ließ ſie einſam. Kein Kinderſegen ſchlug eine Brücke über die gänzlich verſchiedenen Lebensan⸗ ſchauungen beider Gatten, und ſo kam es, daß die junge Frau, trotz unabläſſigen Bemühens, ihrem Ge⸗ fährten etwas zu ſein, nicht mit ihm, ſondern auf ödem Pfade durch's Leben ging.
Daß dieſe Frau ein Kind, welches ſie lieben konnte, als höchſten Schatz betrachten, ihm Alles geben würde, was an Geiſt und Herz in ihr ſo unbenutzt keimte wie Früchte an verlaſſenen Stätten, empfand Roſtan tiefer noch, als Sophie es in ihrer lebhaften Weiſe gegen ihn ausſprach. Hier ward Dora's reichen An⸗ lagen ein Boden gewährt, der höchſte Entfaltung ver⸗ hieß— durfte ſelbſtſüchtiges Feſthalten ihr Solches entziehen? Liebe beſiegte die Liebe. Der folgenſchwere Entſchluß wurde gefaßz, und Roſtan ſelbſt theilte der Gräfin, welche ſich mit ihrem Manne in Königsberg zu Beſuch aufhielt, ſchriftlich die Zuſtimmung in ihren Wunſch mit.


