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Die Thürme von Wüflans, der Historiker und noch einige Kleinigkeiten : Erzählungen / Friedrich Gleich
Entstehung
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Endlich kam der Major mit ſeiner Huͤlfe, die nun zu nichts mehr nuͤtzen konnte. Ich kniete noch immer neben dem erſtarrten Freunde, deſſen bleiches Haupt, ſchauerlich vom Mondlicht erleuch⸗ tet, an meiner Bruſt ruhte, ſelbſt mehr einem Todten aͤhnlich, wie einem Lebenden. Wir ſchafften jetzt die beiden Gefallenen ſtill in die Stadt in ihre Wohnungen... ich verließ die Leiche meines Ernſt keinen Augenblick... den zweiten Tag brachte man ſie mit allen ſeinem militairi⸗ ſchen Range und ſeinen kriegeriſchen Thaten gebuͤh⸗ renden Ehrenbezeigungen zu der letzten Ruhe⸗ ſtaͤtte.

Meine Betaͤubung, mein Schmetz, hatten mir noch nicht erlaubt, das zu unterſuchen, was mir mein Freund in ſeiner letzten Stunde gegeben; jetzt oͤffnete ich das Beutelchen; das Bildniß einer aͤltlichen Dame fiel mir entgegen.

Es war die Mutter meines Freundes. Sie ſaß an einem Tiſchchen, auf welchem einige zerkniffte Karten lagen: leidend und duͤſter ſchien ihr Blick auf dieſen Zeugen der Spielwuth zu ruhen; mit kaum leſerlicher Schrift ſtand auf der Einen: Der Mutter Ungluͤck!

Ja arme Leidende, ſie waren dein Ungluͤck; ſie raubten dir den Sohn!

Als der Friede im naͤchſten Sommer uns auf kurze Zeit einmal wieder in das Vaterland

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