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meine Sorgfalt. Ich riß jetzt meine Kleider ab, um ihn damit zu bedecken... ich rief um Huͤlfe, ſo laut ich es vermochte... meine Stimme ver⸗ hallte im eiſigen Winde der Nacht.“
„Mit jedem Augenblick ward mein Freund ſchwaͤcher, und immer kam noch niemand zu un⸗ ſerm Beiſtande.— Zu ſprechen vermochte Ernſt nicht mehr, nur dann und wann entſchluͤpfte ein Seufzer ſeiner Bruſt. Ploͤtzlich alle ſeine Kraͤfte noch einmal, zum letztenmale, zuſammenraffend, ergriff er meine Hand und fuͤhrte ſie unter ſeine Weſte. Ich glaubte, er wolle mir ſeine Wunde fuͤhlen laſſen, aber nein! er zog ein kleines ſam⸗ metnes Beutelchen, eine Art von Boͤrſe, aus einer verborgenen Taſche, und nachdem er es mehrmals
an ſeine ſchon vom Todeskrampf verzogenen Lippen
gedruͤckt hatte, reichte er mir es mit den leiſen, kaum hervorgehauchten Worten zu: Leb wohl! Leb wohl!.... es iſt vorbei!“—
„ Ich wollte, ich konnte mir mein Ungluͤck noch nicht in ſeiner ganzen Ausdehnung denken: ich wagte keinen Laut von mir zu geben, denn ich glaubte noch immer, ich zwang mich es zu glauben, der Freund ſchlummere nur. O! wie iſt doch die Stille des To⸗ des ſchrecklich! Ringsumher ſchien ſie auf allen Ge⸗ genſtaͤnden zu ruhen... da regte ſich nichts auf der weiten, wie mit einem weißen Leichentuche bedeckten Ebene, nichts in der ſonſt ſo geraͤuſchvollen Stadt.“


