Druckschrift 
Die Thürme von Wüflans, der Historiker und noch einige Kleinigkeiten : Erzählungen / Friedrich Gleich
Entstehung
Einzelbild herunterladen

22 m

heit; ſie hoͤren auf zu athmen, wenn Du mein Geheimniß verraͤthſt.

Erſchreckt und weinend verſprach die ungluͤckli⸗ che Mutter zu thun, was der Tyrann ihres Lebens begehrte, und hineilend zu dem ſterbenden Vater, hielt ſie treulich ihr Wort. Kein Laut verrieth dem alten Vergy den Gram, der an ihrer Seele nagte, keine Andeutung ließ ihm das Geſchick ſei⸗ ner Ermenance und ſeiner beiden, nie geſehenen Enkelinnen ahnen: er ſtarb mit der froͤhlichen Ueberzeugung, daß doch dieſer Tochter wenigſtens ein beſſeres Loos gefallen ſey, und mit dem Wun⸗ 3 ſche, daß ſie dem alten Stamme der Azzoni einen Sohn gebaͤren moͤge, der zum Andenken ſeines einſtigen geliebten Herrn und Koͤnigs, Rudolph genannt werden ſollte. Als der Greis aber ſeine Augen dem Lichte der Erde geſchloſſen hatte, da kehrte Ermenance nach Wuͤflans zuruͤck, um hier, nach weniger wie einem Jahre abermals einer Tochter das Daſeyn zu geben.

Bedarf es noch der Andeutung, auf welch Weiſe Grinwald dieſe abermalige Vereitelung ſeiner Hoffnungen aufnahm? Wie die erſten, riß er auch dieſes Kind von der Bruſt der Mutter, und wie ihre Schweſtern, wurde Gabriele ſo nannte man die Kleine in einen der Thuͤrme des Schloſſes geſperrt.