Druckschrift 
Die Thürme von Wüflans, der Historiker und noch einige Kleinigkeiten : Erzählungen / Friedrich Gleich
Entstehung
Einzelbild herunterladen

35.

und Glanz umgeben, wie keines Kuͤnſtlers Hand es auf Leinewand zu zaubern vermag.

Mit Entzuͤcken ſchweifte, ja ſchwelgte mein Blick auf dieſer herrlichen Landſchaft umher, als ploͤtzlich in der Ferne vier, uͤber das Dunkel eines dichten Laubgehoͤlzes ſich ſtolz emporhebende Thuͤr⸗ me, unverkennbare Reſte einer laͤngſt verſunke⸗ nen Zeit, mein Auge feſſelten und mich zu der Frage bewogen:Wie heißt der Ort da druͤben, deſſen ergraute Mauern ſo ſchauerlich zu uns her⸗ uͤber blicken? Ich hatte zugleich mein Fern⸗ glas zur Hand genommen, und betrachtete mir das, durch eine Waldoͤffnung jetzt deutlicher her⸗ vortretende Gebaͤude genauer, das zu meinem Er⸗ ſtaunen noch ganz unzerſtoͤrt zu ſeyn ſchien, und mein Begleiter erwiederte:

Das iſt das Schloß Wuͤflans, deſſen Er⸗ bauung in die fernſten Tage des ſogenannten Mittelalters faͤllt. Die Gattinn Rudolph II., Koͤ⸗ nigs von Nieder⸗Burgund, die in der Geſchichte bekannte Bertha, eine Tochter Burkhardts, des⸗ Herrſchers dieſer Gegenden, ſoll die Gruͤnderinn von Wuͤflans geweſen ſeyn; doch vermuthe ich eher, daß ſie es nur vergroͤßerte, und die vier Thuͤrme, welche, wie Sie jetzt ſehen koͤnnen, die Ecken des alten Schloſſes vertheidigen, hinzu⸗ fuͤgte. Bertha liebte es, wie die Geſchichte ſagt,