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Die Thürme von Wüflans, der Historiker und noch einige Kleinigkeiten : Erzählungen / Friedrich Gleich
Entstehung
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Burgen und Thuͤrme zu bauen; der jenſeitige, von hier aus den Blicken nicht ſichtbare Theil des Schloſſes, traͤgt die Spuren eines viel groͤ⸗ ßeren Alterthumes, und ſeine Gruͤndung verliert ſich voͤllig in die Nacht der Zeiten.Wuͤnſchen Sie es, fuhr mein zuvorkommender Begleiter fort, ſo fuͤhre ich Sie nachher zu dem Gebaͤude hin; es liegt nur eine halbe Stunde von Morges ent⸗ fernt, und der Weg iſt zwar rauh, aber nicht unangenehm. Doch ich ſage es Ihnen voraus, Ihr Geſchmack an Ruinen wird wenig Befriedi⸗ gung bei genauerer Beſichtigung finden. Alles, was Bertha einſt baute, iſt von einer ſolchen Dauer, daß der Zahn der Zeit faſt ſpurlos daran voruͤbergeht. So liegt z. B. ohnweit Orbe noch ein anderes altes Schloß, Champvent iſt ſein Na⸗ me, das gleichfalls noch eben ſo gut erhalten iſt, wie dieſes. Es gehoͤrte einſt der Familie von Vergy, und zweifelsohne iſt es die Geburtsſtaͤtte jener ſchoͤnen und ungluͤcklichen Gabriele von Vergy, der gefeierten Geliebten des Caſtellans von Couey, und das Opfer der Grauſamkeit ihres Gatten, des wilden Ritters Fayel. Doch, kehren wir zu Wuͤflans zuruͤck, wo ſicher auch einſt mancher adlige Tyrann wuͤthete, und manche zarte Schoͤne weinte. Die Thuͤrme deſſelben ſind von Backſtei⸗ nen erbaut, und dieſe mit einem ſo feſten Kitt verbunden, daß es faſt unmoͤglich iſt, ſie zu