Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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hinterbringen, auf die Sie vielleicht weniger gefaßt ſind. Aber ehe ich ſie Ihnen mittheile, verſichere ich Sie, daß Sie im Irrthum ſind, wenn Sie glauben, Luiſe Schaller habe Ihren Sohn abſichtlich gekränkt. Eine Verkettung unglückſeliger Zufälle brachte ein Mißverſtändniß hervor, in Folge deſſen ſie in einem Anfall von Heftigkeit Worte ſprach, deren Sinn ihr Herz gar nicht empfand. Nicht den Juden verſchmähte ihr Herz, ſondern den ungeliebten, den ihr Vater zwi⸗ ſchen ſie und ihren Geliebten drängen wollte. Wie viele Irrthümer würden vermieden, wären alle Men⸗ ſchen, ohne Unterſchied des Glaubens und der Mei⸗ nung, einig in der Anerkennung gegenſeitigen Werthes. Würden Sie Luiſens Reue kennen, gewiß, Sie würden ihr verzeihen wie Ihr edler Sohn ihr verziehen hat.

Reue? warf ſpöttiſch lächelnd der alte Gold⸗ heim ein.Was iſt Reue? kann ſie Geſchehenes ungeſchehen machen? Mein Gott iſt ein eifriger Gott, der Beleidigungen rächt! Will mein Sohn verzeihen, ſo mag er's thun, weiß ich's doch ſchon lang, daß er's mit unſern Feinden hält und den Glauben ſeiner Väter nicht achtet.

Halten Sie ein! unterbrach ihn Marie in ſchöner Entrüſtung.Schmähen Sie nicht auf das edle Herz Ihres Sohnes, weil es Ihren Haß ſei⸗ ner Liebe geopfert hat und wenn es ihm nicht mög⸗ Familie Schaller. II. 12